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(de) Germany, Die, Platform: Gegen ihre Kriege, gegen ihren Frieden: Bericht und Auswertung vom Rheinmetall Entwaffnen-Camp 2026 (ca, en, it, fr, pt, tr)[maschinelle Übersetzung]
Date
Sun, 1 Nov 2026 07:50:52 +0200
Anfang September hat in Köln das Protestcamp des antimilitaristischen
Bündnisses Rheinmetall Entwaffnen (RME) stattgefunden. Ohne selbst Teil
des Bündnisses zu sein, haben auch wir uns in diesem Jahr am Protestcamp
beteiligt. Mit diesem Text wollen wir vom Camp und unserer Teilnahme
daran berichten und uns an einer knappen Auswertung versuchen.
Das Camp
Wie 2025 schlug das Bündnis auch in diesem Jahr seine Zelte auf dem
Kölner Grüngürtel auf. Nach mehreren Tagen Aufbau mit zahlreichen
helfenden Händen konnte das Camp am Dienstag der Protestwoche offiziell
eröffnet werden. Neben dem großen Zirkuszelt füllten unter anderem
Küchenzelte, Veranstaltungszelte, Kinderzelt, Sanitätszelt, Pressezelt,
der Schlafbereich und die Infostände zahlreicher Organisationen die
Parkfläche. Der Grad der Selbstorganisation unter den über 1000
Teilnehmer:innen des Camps mit täglichen Plena und einem Schichtsystem
für alle möglichen Aufgaben war beeindruckend hoch. Hervorzuheben ist
auch die Breite des Spektrums der Camp-Teilnehmer:innen. Organisationen,
Gruppen und Einzelpersonen aus allen Teilen Deutschlands und vieler
angrenzender Länder waren vertreten, Genoss:innen aus allen
Altersklassen - wobei jedoch die Jugend klar das Bild prägte - und
verschiedene politische Strömungen der antimilitaristischen und
revolutionären Bewegung in der BRD - wobei es rein zahlenmäßig einen
klaren Überhang leninistischer Organisationen gab. Das Camp konnte so
weitgehend dem eigenen Anspruch, spektrumsübergreifender Treffpunkt
einer antimilitaristischen Bewegung zu sein, gerecht werden.
Die Kehrseite dessen war vermutlich vorhersehbar und trat auch so ein:
Obwohl das Camp mit dem Grüngürtel einen zentralen und belebten Ort in
Köln gewählt hatte und obwohl es Ansätze gab, einen Bezug zur
Nacbarschaft herzustellen, weckte es zwar regelmäßig das Interesse
vorbeiziehender Passant:innen, schaffte es unserer Einschätzung nach
aber praktisch gar nicht, einen wirklichen Kontakt mit diesen
herzustellen. Um das zu bewerkstelligen, wird es auch in Zukunft andere
Formate brauchen.
Das inhaltliche Programm
Zentraler Bestandteil des Protestcamps war auch in diesem Jahr ein
umfassendes Programm inhaltlicher Veranstaltungen. Jeden Tag gab es
Vorträge, Diskussionsrunden und Workshops, meist fünf davon gleichzeitig
in den verschiedenen Veranstaltungszelten. Dabei deckte ein breites
Spektrum an referierenden Organisationen und Einzelpersonen ein ebenso
breites Spektrum an Themen rund um die übergreifende Frage des
Widerstands gegen Militarisierung und Krieg ab: So ging es neben vielen
anderen Themen beispielsweise um den Zusammenhang zwischen Krieg und
Geschlechterunterdrückung, Jugendorganisierung, um die Militarisierung
im Gesundheitswesen oder um die Lage in Westasien. Nicht immer aber
immer wieder wurden dabei Analysen vorgestellt, die sich
erfreulicherweise mit unseren Einschätzungen der aktuellen politischen
Lage decken oder denen wir spannende Aspekte abgewinnen konnten. Daneben
war besonders erfreulich, dass eine ganze Reihe an Veranstaltungen Platz
im Programm gefunden hatten, die sich mit der Frage von
Basisorganisierung in Stadtteil, Bildung und Betrieb befassten. Unter
anderem gab es einen Vortrag der Kölner Stadtteilgewerkschaft Kalk
Solidarisch, Diskussionen zu den aktuellen Perspektiven der
Schulstreik-Bewegung und eine Veranstaltung antimilitaristischer
Gewerkschafter:innen. Gleichzeitig müssen wir festhalten, dass die Frage
der Basisorganisierung angesichts der dringenden Notwendigkeit, den
Kampf gegen Militarisierung und Krieg auf breite Teile unserer Klasse
auszudehnen, auf dem Camp eindeutig nicht genug Platz eingenommen hat.
Positiv haben wir in weiten Teilen dagegen die Diskussionskultur
wahrgenommen. Bei allen Veranstaltungen, an denen wir teilgenommen
haben, fanden danach angeregte und auch oft kontroverse Diskussionen
statt, bei denen meist in angemessener Schärfe aber eben auf Augenhöhe
miteinander gestritten wurde. Das Camp konnte so tatsächlich, wie
angestrebt, ein Austauschraum für die antimilitaristische Bewegung sein.
Die Aktionen
Neben den inhaltlichen Veranstaltungen waren auch Aktionen auf der
Straße Teil der Protestwoche. So fand am ersten Tag des Camps, dem 1.
September, eine Demonstration zum Antikriegstag durch Köln-Ehrenfeld
statt. Im Laufe der Woche gab es unter anderem eine Blockade an einer
Bundeswehr-Kaserne, Aktionstheater und nächtliche Spontandemonstrationen
und Farbangriffe gegen Akteur:innen der Militarisierung. Am Samstag fand
dann die große Abschlussdemonstration statt. Diese konnte zunächst einen
guten Teil ihrer geplanten Strecke hinter sich bringen, wurde dann aber
von der Polizei aufgehalten, angegriffen und ein Teil von ihr
schließlich über mehrere Stunden gekesselt bevor die Polizei den Kessel
beendete und die Route mit einer Spontandemonstration zu Ende gelaufen
werden konnte.
Über den Verlauf der Protestwoche gab es so also eine Vielzahl
widerständiger Aktionen, die trotz des massiven Polizeiaufgebots in der
Stadt durchgeführt werden konnten. Gleichzeitig müssen wir feststellen,
dass diese Aktionen nach außen, an die breiten Teile unserer Klasse, nur
wenig anschlussfähig waren und darauf teilweise auch gar nicht ausgelegt
waren. Zwar fanden auch Aktionen statt, bei denen beispielsweise das
Gespräch mit Schüler:innen, Studierenden, Nachbar:innen oder
Arbeiter:innen gesucht wurde. In dieser punktuellen Form können diese -
denken wir - jedoch nicht die Wirkung entfalten, die notwendig wäre, um
tatsächlich breitere Teile der Klasse für den Kampf gegen
Militarisierung und Krieg zu gewinnen. Dafür braucht es Formen
kontinuierlicher Basisorganisierung in den Bereichen des proletarischen
Alltags - vor allem Stadtteil, Bildung und Betrieb.
Unsere Beteiligung
Obwohl wir in den vergangenen Jahren immer mal wieder an einzelnen
Protestcamps teilgenommen haben, stellte unsere Beteiligung am
diesjährigen RME-Camp für die Plattform einen neuen Schritt dar.
Erstmals riefen wir als Föderation zusammen mit uns nahe stehenden
Organisationen und Initiativen der plattformistischen Strömung
öffentlich zum Protestcamp auf und koordinierten dementsprechend unsere
Teilnahme über verschiedene Städte hinweg. Auf dem Camp waren wir mit
einem eigenen Stand die ganze Woche über gut sichtbar vertreten und an
unserem Info- und Büchertisch ansprechbar. Diese Gelegenheit wurde von
Teilnehmer:innen des Camps eifrig genutzt und so ergaben sich viele gute
Gespräche an unserem Stand. Auf besonders großes Interesse stieß unser
Vorläufiges Programm, das erstmals gedruckt vorlag. Der Stand diente uns
dabei auch als Ort, an dem wir als Genoss:innen aus verschiedenen
Städten zusammenkommen, uns besser kennenlernen und uns ausruhen
konnten. Jeden Abend wurde hier zudem gemeinsam der zurückliegende Tag
reflektiert, was sich für uns als sehr wertvoll herausstellte.
Angebunden war unser Stand an die "Soziale Kampfbaustelle", ein Zelt,
das von verschiedenen antiautoritären, feministischen und antikolonialen
Gruppen aus Köln zusammen organisiert und bespielt wurde. Hier fanden
unter anderem eigene inhaltliche Veranstaltungen statt. Daneben gab es
Raum, untereinander in den Kontakt und Austausch zu kommen.
Neben der Sichtbarmachung eigener Positionen durch unseren Stand lag der
Fokus unserer Beteiligung am Camp auf der Teilnahme an verschiedenen
Veranstaltungen des inhaltlichen Programms. In den anschließenden
Diskussionen bemühten wir uns darum, mit anderen Anwesenden ins Gespräch
zu kommen und darin unsere Positionen zu den vorliegenden Fragen zu
vertreten. Das wollen wir bei kommenden Gelegenheiten gerne noch
ausbauen, da wir in seiner Rolle als Raum für inhaltlichen Austausch
einen zentralen Wert des RME-Camps sehen.
Zudem nahmen wir gemeinsam und sichtbar an den zwei Demonstrationen der
Protestwoche teil. Hier verteilten wir auch Flyer mit einer gekürzten
Fassung unseres Aufrufs. Auf der Abschlussdemonstration bildeten wir den
hinteren Bereich des feministischen Blocks, dem sich gut 150 Menschen
anschlossen. Sowohl hinsichtlich der Art und Weise, wie wir an diesem
Tag agiert haben als auch hinsichtlich der Frage, inwieweit wir selbst
an den Aktionen, die sonst innerhalb der Protestwoche passieren,
mitwirken können und wollen, sehen wir als Organisation einiges an
Diskussionsbedarf.
Fazit
Wir blicken insgesamt auf eine bewegte und lehrreiche Protestwoche
zurück. Wir nehmen viele inhaltliche Anstöße aus den Veranstaltungen und
Gesprächen auf dem Camp mit, kämpferische Momente auf der Straße und
berührende kulturelle Momente wie das Konzert am Mittwochabend, bei dem
wir Hand in Hand mit mehreren hundert Menschen unter dem Zeltdach
zusammen Halay getanzt haben. Es war sichtbar, dass sich hier eine
wachsende antimilitaristische Bewegung formiert, die Militarisierung und
Krieg nicht mit Resignation oder Burgfrieden, sondern mit entschlossenem
Widerstand begegnen will und es in Ansätzen bereits tut. Das macht uns
angesichts der heranziehenden Stürme Hoffnung.
Wir sind als Organisation neue Schritte gegangen, die unsere gewachsenen
Kräfte aber auch weiter vorhandene Schwächen und Leerstellen deutlich
gemacht haben. An diesen gilt es zu arbeiten und sie zu füllen.
Inspiration nehmen wir schließlich vor allem für unsere eigene Praxis in
der konkreten Basisorganisierung in unseren verschiedenen Städten mit.
Hier - in den Stadtteilen, Schulen, Unis und Betrieben - wollen wir in
den kommenden Monaten mit noch mehr Energie daran arbeiten, den Kampf
gegen Militarisierung und Krieg in unserer Klasse zu verankern. Immer
mit der Perspektive, dass gegen die Kriege der Herrschenden zu kämpfen
heißt, auch gegen ihren Frieden zu kämpfen. Und dass nur die soziale
Revolution und der freiheitliche Kommunismus tatsächlich einen Ausweg
darstellen.
Kein Kapitalismus ohne Krieg!
Kein Frieden ohne Revolution!
In Stadtteil, Bildung und Betrieb: Gegenmacht von unten aufbauen!
https://www.dieplattform.org/2026/10/06/gegen-ihre-kriege-gegen-ihren-frieden-bericht-und-auswertung-vom-rheinmetall-entwaffnen-camp-2026/#more-4247
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