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(de) NZ, Aotearoa, AWSM: Jeder Dritte in Not: Der Kapitalismus lässt die Jugend von Tairawhiti im Stich. (ca, en, it, pt, tr)[maschinelle Übersetzung]

Date Mon, 15 Jun 2026 07:44:59 +0300


Die jüngsten Berichte über psychische Belastungen junger Menschen in Tairawhiti sind erschreckend, aber kaum noch überraschend. Jeder dritte Jugendliche in Gisborne leidet demnach unter mittelschweren psychischen Belastungen, und der Artikel schildert dies als wachsende Krise, die dringendes Handeln erfordert. Die Zahlen sind alarmierend, und das Leid dahinter ist real. Junge Menschen haben offensichtlich zu kämpfen. Auffällig ist jedoch, wie die Diskussionen um die psychische Gesundheit junger Menschen in Neuseeland fast immer so geführt werden, dass das soziale System, das dieses Leid überhaupt erst verursacht, nicht thematisiert wird. Die Belastung wird so behandelt, als existiere sie unabhängig von den Lebensbedingungen der Betroffenen. Die Sprache ist klinisch, sachlich und entpolitisiert. Wir hören von "Wohlbefinden", "Zugang zu Hilfsangeboten", "Interventionen" und "Resilienz", aber kaum von Armut, Entfremdung, Kapitalismus oder Kolonialismus. Das Ergebnis ist eine Debatte, die das Leid zwar anerkennt, seine Ursachen aber sorgfältig ausblendet.

Wenn jeder dritte junge Mensch in Gisborne psychisch belastet ist, sollte dies nicht als unerklärliche Anomalie im Bereich der öffentlichen Gesundheit betrachtet werden. Es ist vielmehr die vorhersehbare Folge eines Lebens in einem System, das die Gesellschaft nach Profit statt nach menschlichen Bedürfnissen ausrichtet. Junge Menschen wachsen in einem Umfeld auf, das von wirtschaftlicher Unsicherheit, sozialer Zersplitterung, Wohnungsnot, Umweltängsten und zunehmend düsteren Zukunftsaussichten geprägt ist. Von ihnen wird erwartet, dass sie mit steigenden Lebenshaltungskosten, unsicheren Arbeitsverhältnissen, unüberschaubaren Wohnungsmärkten, unterfinanzierten Schulen und zusammenbrechenden öffentlichen Dienstleistungen zurechtkommen, während ihnen ständig vermittelt wird, dass Erfolg oder Misserfolg letztendlich in ihrer eigenen Verantwortung liegt. Der Druck ist unerbittlich und kein Zufall.

Der Artikel streift kurz den sozialen Druck, dem junge Menschen ausgesetzt sind, reduziert aber - wie viele Mainstream-Berichte - die Belastung letztlich auf etwas, das primär im Individuum existiert. Die vorgeschlagenen Lösungen bleiben daher ebenfalls individualistisch. Mehr Unterstützungsangebote, mehr Aufklärung, früheres Eingreifen, verbesserter Zugang zu Beratung - all das ist an sich nicht schlecht. Menschen brauchen unbedingt Unterstützung, und die psychische Gesundheitsversorgung in Neuseeland ist chronisch überlastet. Doch die liberale Fixierung auf Behandlung erst nach Eintritt des Schadens vermeidet die Frage, warum dieser Schaden überhaupt in einem so massiven Ausmaß entsteht. Therapie kann gesellschaftlichen Wandel nicht ersetzen. Beratung kann strukturelle Verzweiflung nicht auflösen. Achtsamkeitsübungen oder Kampagnen zur psychischen Gesundheit können dem Leben keinen Sinn geben in einer Gesellschaft, in der sich immer mehr junge Menschen wirtschaftlich entbehrlich und sozial isoliert fühlen.

Einer der aufschlussreichsten Momente des Artikels ist die Erwähnung von Unternehmertum als Teil der Lösung für die Probleme junger Menschen. Dies wird beinahe instinktiv präsentiert, als sei die Förderung von Unternehmertum bei jungen Menschen ein selbstverständlicher Weg zu mehr Selbstbestimmung und Wohlbefinden. Es sagt viel über die ideologischen Grenzen des Mainstream-Denkens aus, dass selbst in Diskussionen über psychische Belastungen die Antwort letztlich immer wieder auf den Markt zurückgeführt wird. Junge Menschen leiden unter dem Kapitalismus, daher besteht die vorgeschlagene Lösung darin, sie noch stärker in die kapitalistische Logik zu integrieren.

Unternehmertum wird heute fast wie eine säkulare Religion verehrt. Politiker, Wirtschaftsführer und Medienkommentatoren propagieren unentwegt die Idee, dass Innovation, Fleiß, Selbstvermarktung und der Ehrgeiz, ein kleines Unternehmen zu gründen, den Ausweg aus der Unsicherheit bieten. Der Unternehmer wird zum idealen neoliberalen Bürger: unendlich anpassungsfähig, selbstmotiviert, eigenverantwortlich und permanent produktiv. Strukturelle Probleme verschwinden durch Eigeninitiative. Sind die Möglichkeiten rar, erfindet man sie selbst. Sind die Löhne niedrig, startet man ein Nebengewerbe. Ist der Arbeitsplatz unsicher, macht man seine Leidenschaften zu Geld. Scheint die Zukunft hoffnungslos, wird man zum "Schöpfer" oder "Gründer".

Doch dieser Mythos hält selbst einer oberflächlichen Betrachtung nicht stand. Die meisten Kleinunternehmen scheitern. Die meisten Unternehmer werden nicht zu wohlhabenden Erfolgsgeschichten. In Wirklichkeit bedeutet Unternehmertum im Kapitalismus oft prekäre Selbstständigkeit, unregelmäßiges Einkommen, Schulden, Stress, Überarbeitung und den ständigen Druck, jeden Lebensbereich zu kommerzialisieren. Das romantische Bild des Unternehmers verschleiert die Realität, dass der Kapitalismus Risiken zunehmend von Konzernen und dem Staat auf den Einzelnen abwälzt.

Noch wichtiger ist jedoch, dass Unternehmertum die strukturellen Ursachen der Not junger Menschen nicht angeht. Ein junger Mensch, der mit Wohnungsnot, Armut, Isolation, familiären Belastungen oder Zukunftsangst zu kämpfen hat, wird nicht einfach dadurch befreit, dass er ermutigt wird, "unternehmerisch zu denken". In vielerlei Hinsicht verschärft diese Rhetorik das Problem sogar, da sie die Vorstellung bestärkt, dass allein der Einzelne für die Überwindung systemischer Probleme verantwortlich ist. Scheitert man, trägt man die Schuld, weil man sich nicht genug angestrengt hat.

Es ist zutiefst widersprüchlich, Unternehmertum als Lösung in Regionen darzustellen, die bereits unter wirtschaftlicher Vernachlässigung und Ungleichheit leiden. Tairawhiti braucht keine weiteren Motivationsreden über Innovationskultur. Es braucht materielle Investitionen, Wohnraum, Gesundheitsversorgung, angemessene Löhne, Infrastruktur und die Kontrolle der Gemeinschaft über Ressourcen. Es braucht kollektive Lösungen, nicht eine weitere Variante des neoliberalen Individualismus, die als Ermächtigung verkleidet ist.

Die unternehmerische Fantasie spiegelt auch einen umfassenderen ideologischen Wandel im neoliberalen Kapitalismus wider, in dem kollektive Politik durch individuelle Bestrebungen ersetzt wird. Frühere Generationen der Arbeiterpolitik erkannten zumindest, dass soziale Probleme kollektiven Kampf und strukturelle Veränderungen erforderten. Heute wird selbst Verzweiflung zunehmend privatisiert. Anstatt zu fragen, warum Gemeinschaften verarmen, werden Menschen dazu ermutigt, sich innerhalb eben jenes Systems, das sie verarmt, zu persönlichen Marken zu entwickeln.

Junge Menschen erben heute eine von Krisen geprägte Welt. Die Klimakatastrophe schwebt permanent über dem Horizont. Sichere Arbeitsplätze verschwinden. Mieten verschlingen einen Großteil des Einkommens. Der Traum vom Eigenheim wird von Jahr zu Jahr unerreichbarer. Bildung dient zunehmend als Schuldenmaschine, die in unsichere Arbeitsverhältnisse mündet. Das soziale Leben selbst wird immer mehr kommerzialisiert und isoliert. Selbst die Freizeit wird zunehmend durch Bildschirme, Algorithmen und Unternehmensplattformen bestimmt, die darauf ausgelegt sind, Aufmerksamkeit und Unsicherheit zu monetarisieren. Es ist kaum verwunderlich, dass die Belastung steigt. Überraschend wäre es, wenn sie es nicht täte.

Der Kapitalismus erzeugt Entfremdung, weil er den Menschen auf eine ökonomische Einheit reduziert. Unser Wert wird an Produktivität, Beschäftigungsfähigkeit und Konsum gekoppelt. Beziehungen werden rein transaktional. Die Zeit zersplittert sich um Arbeit und Überleben. Gemeinschaften schwächen sich mit zunehmendem Wettbewerb. Unter diesen Bedingungen sind Angstzustände und Depressionen keine individuellen Fehlfunktionen, sondern rationale Reaktionen auf eine zutiefst ungesunde Gesellschaft. Das System erzeugt permanent Unsicherheit und gibt dann den Einzelnen die Schuld, nicht damit umgehen zu können.

Dies zeigt sich besonders deutlich bei jungen Menschen, da sie die Widersprüche oft am stärksten spüren. Ihnen wird von Kindheit an vermittelt, dass sie sich eine gute Zukunft aufbauen können, wenn sie nur hart genug arbeiten, positiv bleiben und die richtigen Entscheidungen treffen. Doch die materielle Realität um sie herum widerspricht dieser Vorstellung zunehmend. Sie sehen Eltern, die bis zur Erschöpfung arbeiten und dennoch finanzielle Schwierigkeiten haben. Sie sehen Hochschulabsolventen, die in Schulden und prekären Arbeitsverhältnissen gefangen sind. Sie sehen Regierungen, die endlos über bezahlbaren Wohnraum diskutieren, während die Obdachlosigkeit jedes Jahr zunimmt. Sie sehen Konzerne, die inmitten einer Krise der Lebenshaltungskosten Rekordgewinne erzielen. Sie sehen Politiker, die von Klimaschutz sprechen, während sie gleichzeitig Industrien ausbauen, die die Umwelt zerstören. Die Zukunft, die vielen jungen Menschen geboten wird, ist eine Zukunft permanenter Unsicherheit, die sich als Chance tarnt.

In Regionen wie Tairawhiti werden diese Belastungen durch eine lange Geschichte kolonialer Gewalt und wirtschaftlicher Vernachlässigung noch verstärkt. Maori-Gemeinschaften haben über Generationen hinweg Enteignung, Landraub, staatliche Gewalt und gezielte Unterentwicklung erlebt. Die Armut in diesen Gemeinschaften ist nicht natürlich entstanden, sondern wurde politisch und wirtschaftlich herbeigeführt. Die Kolonialisierung zerstörte die gemeinschaftlichen Lebensstrukturen und ersetzte sie durch ausbeuterische Strukturen, die darauf abzielten, Siedler und die kapitalistische Wirtschaft zu bereichern. Die Folgen wirken über Generationen hinweg fort - durch Ungleichheit, Wohnungsunsicherheit, übermäßige Polizeipräsenz, familiäre Belastungen, Sucht und eingeschränkten Zugang zu Ressourcen und Chancen. Wenn Maori-Jugendliche unter starker psychischer Belastung leiden, ist dies untrennbar mit den historischen und gegenwärtigen Folgen der Kolonialisierung verbunden.

Doch in den gängigen Debatten wird diese Geschichte oft ausgeblendet. Leid wird individualisiert und medizinisch betrachtet, anstatt politisch verstanden zu werden. Derselbe Staat, der an der Zerstörung der sozialen Strukturen der Maori beteiligt war, präsentiert sich nun als neutraler Verwalter der daraus resultierenden sozialen Krise. Regierungen versprechen gezielte Interventionen, während sie gleichzeitig die wirtschaftlichen Bedingungen aufrechterhalten, die das Leid überhaupt erst verursachen. Es ist ein Teufelskreis, der sich endlos wiederholt. Gemeinschaften werden durch Armut und Ausgrenzung destabilisiert und erhalten anschließend unterfinanzierte Dienste, um die Folgen zu bewältigen.

Es ist auch sehr aufschlussreich, wie Resilienz in diesen Gesprächen immer wieder thematisiert wird. Jungen Menschen wird ständig gesagt, sie bräuchten mehr Resilienz, bessere Bewältigungsstrategien, eine verbesserte Emotionsregulation und gesündere Gewohnheiten. Nichts davon ist an sich schlecht. Doch der Resilienzdiskurs ist oft ideologisch geprägt. Er verlagert subtil die Verantwortung von gesellschaftlichen Strukturen auf den Einzelnen. Wer Schwierigkeiten hat, dem wird unterstellt, ihm fehlten die psychologischen Werkzeuge, um angemessen damit umzugehen. Der Fokus liegt darauf, Individuen an ungesunde Bedingungen anzupassen, anstatt die Bedingungen selbst zu verändern.

Eine Gesellschaft, die von ihren jungen Menschen unendliche Widerstandsfähigkeit verlangt, ist oft eine Gesellschaft, die ihnen auf schwerwiegendste Weise nicht gerecht wird.

Tatsächlich sind viele Formen psychischer Belastung tief im sozialen Kontext verwurzelt. Einsamkeit, Hoffnungslosigkeit, Angstzustände, Sucht, Verzweiflung und selbst zwischenmenschliche Gewalt entstehen nicht im luftleeren Raum. Sie werden von den Lebensumständen der Menschen geprägt. Der Kapitalismus zersplittert das gesellschaftliche Leben. Er isoliert die Menschen voneinander und verschärft gleichzeitig den Konkurrenzkampf zwischen ihnen. Er erzeugt ständige Unsicherheit und propagiert unerreichbare Ideale von Erfolg und Glück. Soziale Medien verstärken diese Dynamiken oft, sind aber nicht die Wurzel des Problems. Sie sind ein technologischer Ausdruck umfassenderer kapitalistischer Verhältnisse. Ständiger Vergleich, Selbstinszenierung, performative Identität, kommerzialisierte Aufmerksamkeit und algorithmische Unsicherheit spiegeln die Werte der kapitalistischen Gesellschaft wider.

Politiker beschreiben die psychische Gesundheit junger Menschen oft so, als handle es sich um eine rein technische Herausforderung, die lediglich eine verbesserte Koordination zwischen Behörden und Leistungserbringern erfordere. Doch das Ausmaß der Krise deutet auf etwas viel Tieferliegendes hin. Wenn psychische Belastung in weiten Teilen der Bevölkerung zur Normalität wird, liegt das Problem vielleicht nicht nur im Zugang zu Behandlung, sondern in der Struktur der Gesellschaft selbst.

https://awsm.nz/one-in-three-in-distress-capitalism-is-failing-tairawhitis-youth/
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