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(de) Germany, AGDO: Der apfel & der baumstamm: IA. - GemÖks - einfach mal machen - CN => finanzieller Mangel, Armut, Konflikte um Geld (ca, en, it, pt, tr)[maschinelle Übersetzung]
Date
Wed, 13 May 2026 08:06:17 +0300
Wir labern zu viel und machen zu wenig. Das trifft so generell schon mal
auf eine Menge Dynamiken in der linken Szene zu, aber bei einem Thema
fällt mir das immer besonders auf: Gemeinschafsökonomien. Alle wollen,
keins traut sich. ---- Gemeinschaftsökonomien, kurz GemÖks, sind
Konzepte der gemeinschaftlichen Organisierung von Finanzen. Menschen die
in einer GemÖk leben haben in der Regel kein eigenes Geld, sondern das
Geld was über die verschiedenen Mitglieder der GemÖk reinkommt wird
zusammengeschmissen und gehört allen. Wie genau so eine GemÖk gestaltet
ist, das hängt maßgeblich von den Wünschen, Bedürfnissen und Ansprüchen
der Mitglieder ab, keine GemÖk ist genau wie die andere. Das Konzept hat
viele Vorteile, es macht es z.B. deutlich leichter schlechte Zeiten zu
überbrücken wenn das Amt mal wieder kürzt oder die Chefin eins in
Kurzarbeit schickt. GemÖks sind wirksame Armutsprävention und verhindern
finanzielle und auch anderweitige Vereinzelung.
Was verständlicherweise dazu führt dass viele Menschen, die von dem
Konzept wissen, gerne in einer GemÖk wären. Aber fast immer wenn ich mit
Menschen über das Thema rede höre ich ähnliche Aussagen dazu: "Meine WG
will das schon lange machen, aber wir hängen da seit Monaten in einem
Aushandlungsprozess", "Wir haben schon richtig Bock aber wollen das erst
alles ganz genau absprechen bevor wir das versuchen".
Und ich halte das für einen Fehler.
Meine Geschichte mit GemÖks ist so: zwei Freundis und ich waren in einer
u.a. auch finanziellen Notsituation. Jeweils alleine klarzukommen,
Essen, Miete usw. bezahlen zu können, war uns nicht möglich. Also haben
wir einfach all unser Geld zusammengeschmissen und from scratch eine
GemÖk gestartet, die aktuell seit fast vier Jahren besteht. Natürlich
war es nicht immer leicht. Während der Anfangsphase hatten wir immer
wieder lange Plena, in denen wir reflektiert haben wie es uns gerade mit
der GemÖk geht, in denen wir über unser Verhältnis zu Geld und die
Gründe dafür, das ganze komplexe Thema "Sozialkapital" und unsere
Zukunftsperspektiven im Bezug auf die GemÖk geredet haben. Darüber, was
wir brauchen um uns halbwegs sicher zu fühlen, inwieweit Sicherheit
eigentlich eine Illusion ist, in welchem Ausmaß unsere gemeinschaftliche
Verantwortung füreinander über das Finanzielle hinausgeht. Es war ein
langer Prozess, in dem wir immer wieder Dinge ausprobiert haben. In dem
wir viel über uns selbst, unser Verhältnis zu Geld und zueinander
gelernt haben, und darüber wie gut wir als Personen eigentlich
zusammenpassen. Immer wieder haben wir Dinge an der GemÖk geändert, dann
nach einiger Zeit darüber reflektiert und sie entweder beibehalten,
verworfen oder abgeändert. Wir sind immer wieder auf Herausforderungen
gestoßen, z.B. bei dem Thema was wir machen wenn wir mal ne größere
Geldsumme auf einmal brauchen oder was wir für Präven- tionsmaßnahmen
treffen für den Fall dass wir mal im Streit auseinandergehen sollten.
Es war kein einfacher Prozess. Keine optimalen Grundvoraussetzungen.
Allgemein sind Notsituationen als Grundlage für weitreichende
Entscheidungen nicht das Nonplusultra.
Aber mir fällt keine Situation ein, in der wir - in dieser
Personenkonstellation - es hätten besser machen können. Definitiv nicht
indem wir davor wochen- und monatelang die genaue Ausgestaltung der
GemÖk ausgehandelt hätten.
Denn das Ding ist - es ist schwer, sich Dinge vorzustellen bevor mensch
sie ausprobiert hat. Wie eigentlich mein persönliches Verhältnis zu Geld
ist, wusste ich vor der GemÖk nicht und hatte auch keine Vorstellung
darüber. Auch nicht darüber, wie viele Rücklagen ich eigentlich brauche
um ein Gefühl der relativen Sicherheit davon zu bekommen. Was das
Verhältnis zur Herkunfsfamilie für einen Einfluss auf finanzielle
Sicherheitsgefühle hat. All die Dinge die wir in den vier Jahren
ausprobierten - bevor wir es wirklich gemacht hatten hatten wir keine,
höchstens eine vage Ahnung wie es uns damit gehen würde. Wie wir unsere
GemÖk gestalten wollen haben wir herausgefunden indem wir einfach mal
gemacht haben.
Also: traut euch. Macht einfach mal. Wenn ihr als Gruppe Bock darauf
habt in einer GemÖk zu leben, dann startet eine und macht das Planen und
Aushandeln parallel dazu. Wenn ihr monatelang labert, ohne praktisch was
auszuprobieren, habt ihr vielleich am Ende ein perfektes Konzept das
nach dem ersten Monat Umsetzung in sich zusammenfällt.
Auch wenn ihr denkt dass ihr euch gut genug kennt um alles vor der
praktischen Umsetzung absprechen zu können - ihr werdet vielleicht
verwundert sein, wie anders Menschen sich dann doch verhalten.
Auch wenn ihr denkt, dass ihr eigentlich ein pragmatisches Verhältnis zu
Geld habt - ihr werdet vielleicht verwundert sein wie emotional
aufgeladen das Thema dann in der Praxis plötzlich doch für euch ist.
Wie auch bei anderen Schritten in eine kollektivere Lebensweise - von
Zweck-WG zu Funktionalem Wohnen, von Monogamie zu Nicht-Monogamie - sind
die real auftretenden Probleme in der praktischen Umsetzung oft ganz
andere als die die im Vorhinein lang und breit besprochen wurden. Auch
wenn es beängstigend klingt - es kann wirklich der beste Weg sein, ins
kalte Wasser zu springen und gemeinsam schwimmen zu lernen.
https://archive.org/details/DerApfelUndDerStamm/Web_2026-03-13-Zine_Gemeinschaft_barrierearm/page/n1/mode/1up
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(de) France, Monde Libertaire - IDEEN UND KÄMPFE: Erinnerungen einer spanischen Exilantin 1936-1975 (ca, en, it, fr, pt, tr)[maschinelle Übersetzung]
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(en) France, UCL AL #370 - International - Argentina: Milei's Increasingly Dismantling of Labor (ca, de, fr, it, pt, tr)[machine translation]
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