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(de) Italy, UCADI, #205 - Justizreferendum 2026: Die Bürger fragen, was die Legislative tun soll (ca, en, it, pt, tr)[maschinelle Übersetzung]

Date Mon, 6 Apr 2026 08:56:19 +0300


Das für März geplante Justizreferendum stellt den Bürgern fünf Fragen, lässt aber eine entscheidende aus: "Wollen Sie die Legislative bei der Justizreform ersetzen?" Zwar ist "Justiz" formal Gegenstand eines Referendums, doch inhaltlich geht es um äußerst sensible Verfahrensfragen und schwer vorhersehbare Auswirkungen. Diese Beurteilung erfordert technisches, juristisches und sogar statistisches Fachwissen, das über die Kenntnisse des Durchschnittsbürgers hinausgeht. Dies ist keine Vereinfachung der demokratischen Debatte, sondern vielmehr eine unzulässige Forderung nach Urteilen in rein disziplinarischen Angelegenheiten.
Es wurde von vielen Seiten klargestellt, dass die Annahme der Fragen weder die Regeln des Zivil- noch des Strafverfahrens beeinflussen und auch nicht zu einer Verkürzung der Bearbeitungszeiten führen wird. Damit geht auch die für die Öffentlichkeit unmittelbar verständlichste und heikelste Frage verloren: die Effizienz der Justiz.

Dennoch wird von den Wählern erwartet, dass sie die Struktur, die Funktionen und die Arbeitsweise des Obersten Justizrates verstehen und sogar Prognosen zur Rolle von Interessengruppen nach der Reform erstellen können. Darüber hinaus sollten die Bürger wissen, dass der Oberste Justizrat die Professionalität und Kompetenz der Richter anhand der Gutachten der territorialen Justizräte bewertet - Gremien, in denen die Entscheidungsgewalt ausschließlich den Richtern selbst vorbehalten ist. Als ob das nicht genug wäre, sind die Wähler aufgerufen, eine weitere Aufgabe zu übernehmen: sich mit Instrumenten auszustatten, um die Leistung der Justiz zu messen. Sie sollen somit feststellen, ob das derzeitige Bewertungssystem zuverlässig oder ineffektiv ist. Und wenn sie Zweifel an der Transparenz des Systems haben, sollen sie auch die Auswirkungen einer veränderten Bewertungsstruktur, die sich aus dem Eingreifen externer Interessengruppen ergibt, abschätzen können. Diese Aufgabe erfordert Fähigkeiten, die weit über die üblicherweise von Referendumsteilnehmern geforderten hinausgehen. Ebenso komplex ist die Frage der Trennung der Laufbahnen von Richtern und Staatsanwälten. Diese Unterscheidung ist alles andere als intuitiv und setzt Kenntnisse der geltenden Regelungen voraus, einschließlich derer, die durch die Reform von Cartabia eingeführt wurden. Diese Reform beschränkt Funktionswechsel bereits auf einen einzigen im Laufe der Karriere. Auch hier ist die Kenntnis statistischer Daten erforderlich - im Jahr 2024 betrafen Funktionswechsel nur etwas mehr als 0,4 % der Richter -, um die tatsächlichen Auswirkungen des Vorschlags auf die Rechtspflege zu verstehen. Die Frage nach den Grenzen der Untersuchungshaft, die scheinbar die einfachste ist, wirft für diejenigen, die mit Strafverfahren nicht vertraut sind, zahlreiche Fragen auf: Was ist Untersuchungshaft, wann wird sie angeordnet und wie lange dauert sie? Dieses Thema dürfte die Öffentlichkeit stark beschäftigen, da es mit überfüllten Gefängnissen, ungerechtfertigter Inhaftierung und den damit verbundenen wirtschaftlichen Kosten für die Gesellschaft zusammenhängt. Die fünfte Frage, die die Abschaffung des Severino-Dekrets von 2012 betrifft, ist zwar in ihrer Formulierung die klarste, aber in ihren Implikationen nicht weniger komplex. Es berührt das hochsensible Thema der Korruptionsprävention und -bekämpfung, eine der schwerwiegendsten Formen des Gesetzesverstoßes, da sie die öffentliche Verwaltung unmittelbar betrifft. Laut dem Korruptionswahrnehmungsindex 2024 belegt Italien weltweit Platz 52 und unter den 27 EU-Ländern Platz 19. Im Jahr 2025 verdoppelten sich die Korruptionsfälle im Vergleich zum Vorjahr; das Dossier "Italien unter Bestechungen" von Libera dokumentiert, dass zum 1. Dezember 2025 96 Ermittlungen gegen 1.028 Personen liefen. Auch wenn die Bürger diese Zahlen nicht im Detail kennen, ist die Korruptionswahrnehmung im Land hoch. Die Wähler sollten jedoch wissen, dass sie nicht über den ursprünglichen Text des Severino-Gesetzes abstimmen, der bereits 2023 durch die Cartabia-Reform geändert wurde, sondern über eine weiter abgeschwächte Fassung, die es Personen erlaubt, die im Rahmen einer Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe von bis zu zwei Jahren erhalten haben, für ein öffentliches Amt zu kandidieren. Die konkreten Auswirkungen der Abschaffung des Severino-Gesetzes zu ermitteln, ist alles andere als einfach, insbesondere angesichts der Tatsache, dass Italiens Position in internationalen Indizes laut den Daten in den letzten Jahren im Wesentlichen unverändert geblieben ist. Schließlich bleibt ein entscheidender Aspekt: die Formulierung der Referendumsfragen selbst. Sie scheint eher für Insider als für eine Wählerschaft konzipiert zu sein, die ihre Souveränität bewusst ausüben soll. In diesem Szenario besteht die Gefahr nicht nur in einer uninformierten Abstimmung, sondern auch in einer zunehmenden Entfremdung zwischen den Instrumenten der direkten Demokratie und dem tatsächlichen Verständnis der Bürger für deren Bedeutung. Das Verfassungsgericht hat sich in seiner Prüfung der Referendumsfragen - gelinde gesagt - als oberflächlich erwiesen. Es hat die tatsächliche Verständlichkeit der Fragen unterschätzt. Es hat die Informationsasymmetrie zwischen Abgeordneten und Bürgern nicht berücksichtigt und auch nicht geprüft, ob das Referendumsinstrument überhaupt geeignet ist, eine wirklich informierte Entscheidung herbeizuführen. Das Problem ist daher nicht dieses Referendum an sich, sondern vielmehr das Demokratiemodell, das sich in unserem Land immer mehr durchsetzt. Formen der direkten Demokratie werden zunehmend für Entscheidungen eingesetzt, die aufgrund ihrer Natur - Komplexität des Sachverhalts, asymmetrische Information, taktische politische Instrumentalisierung, polarisierende Slogans - eine informierte Wahl nahezu unmöglich machen. Die Bürger stimmen nicht über den Inhalt von Reformen ab, sondern zielen darauf ab, die regierende Mehrheit oder Minderheit zu unterstützen. Dadurch wird direkte Partizipation zu einer bloßen Machtausübung. Die Folgen sind gravierend: die Aushöhlung partizipativer Prozesse, die Schwächung des sozialen Zusammenhalts, die Kommerzialisierung der Politik und ein wachsendes Misstrauen gegenüber Institutionen - mit direkten Auswirkungen auf die Stabilität der Demokratie. Ohne eine Rückbesinnung auf die ethische Dimension der Politik und den Wiederaufbau sozialer Bindungen bleiben die Instrumente der direkten Demokratie Ablenkungsmanöver oder bloße Machtdemonstrationen von oben.

Sabrina Barresi

https://www.ucadi.org/2026/03/01/referendum-giustizia-2026-chiede-al-cittadino-cio-che-spetta-al-legislatore/
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