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(de) Italy, FAI, Umanita Nova #36-25 - Der Panettone-Bericht. Censis: Zu Weihnachten sind wir alle weniger arm. (ca, en, it, pt, tr)[maschinelle Übersetzung]

Date Mon, 19 Jan 2026 07:16:39 +0200


Jedes Jahr um diese Zeit bietet uns die Unterhaltungsindustrie Filme im Panettone-Stil, die Konsumgesellschaft schmückt den Weihnachtsbaum, das Christentum vermehrt lebende Krippen. Und pünktlich wie ein säkulares Ritual erscheint der Censis-Bericht: die große Momentaufnahme Italiens.
Eine Momentaufnahme, die neutral erscheint, aber vor allem den Blick ihres Schöpfers widerspiegelt. Die Menschen werden zu Objekten degradiert, die beobachtet werden; Konflikte verwandeln sich in "Unwohlsein", Armut in "Fieber der Mittelschicht". Doch die Zahlen sprechen eine andere Sprache: ein verarmtes, ausgebeutetes, prekäre Land, das von Tag zu Tag lebt, weil ihm die Zukunft geraubt wurde.

Erzählung ersetzt Analyse.

Die Censis-Prosa - "wildes Zeitalter", "Barbaren", "Grand Hotel Abyss" - dient nicht dem Verständnis, sondern der Neutralisierung. Wirtschaftliche Prozesse werden zu Geisteszuständen; politische Entscheidungen zu psychologischen Fatalismen. Deindustrialisierung? "Der Herbst der Industrie". Prekarität? "Instabilität." Stagnierende Löhne? "Not." Wachsende Armut? Fehlanzeige. Ein Vokabular, das alles entpolitisiert: kein Kapital, keine Ausbeutung, keine politische Verantwortung. Nur Wahrnehmungen. Warum spricht Censis von der Mittelschicht und nicht von Armut? Die zentrale Kategorie des Berichts ist stets dieselbe: die Mittelschicht. Nicht zufällig. Die Mittelschicht ist das Publikum der Eliten: die Pufferzone, die soziale Stabilität garantiert. Armut hingegen würde uns zwingen, über jahrzehntelang stagnierende Löhne, strukturelle Prekarität, den Abbau des Sozialstaats, ungestrafte Steuerhinterziehung und konzentrierten Privatreichtum zu sprechen. Lieber die soziale Frage in kollektive Angst verwandeln. Lieber von "wahrgenommenem Niedergang" sprechen als von tatsächlich entstandener Ungleichheit.

Die "Große Verschuldung": Sparmaßnahmen als Notwendigkeit getarnt

Censis präsentiert das Wachstum der Staatsverschuldung als natürliche Folge, die den Abbau von Sozialleistungen erfordert. Die implizite Botschaft ist klar: Der Staat kann es sich nicht mehr leisten, soziale Rechte zu garantieren. Doch der Bericht schweigt zu jenen, die jahrelang von einer laschen Steuerpolitik profitiert haben, zu jenen, die Steuerhinterziehung fördern, und zu jenen, die von der Privatisierung von Dienstleistungen profitiert haben. Die Schuldenzinsen wiegen schwerer als die Ausgaben für Krankenhäuser und Schulen - das stimmt. Doch der Bericht fragt nicht, warum die einfachen Bürger und nicht die Reichen sie tragen sollen. Die "große Verschuldung" wird so zur eleganten Umschreibung für dauerhafte Sparmaßnahmen.

Militarismus als verzerrte Krisenreaktion

Der Censis-Bericht erkennt eine entscheidende Tatsache an: Während das verarbeitende Gewerbe schrumpft, wächst die Rüstungsindustrie um 32 %. Sie ist der einzige Wachstumssektor.

Die neue Industriepolitik des Landes spricht daher nicht mehr von Innovation, Bildung, Forschung und Fachkräften. Sie spricht von Aufrüstung. Italien strebt Militärausgaben in Höhe von 2 % des BIP an, während die Finanzierung von Gesundheitswesen, Verkehr und öffentlichem Wohnungsbau als "nicht tragbar" gilt. Dies ist kein unbedeutendes Detail: Es ist die Transformation des Wohlfahrtsstaates in einen bewaffneten Staat.

Militarismus begegnet der Krise nicht, sondern verschärft sie, indem er Ressourcen von Rechten auf Waffen und von den Bedürfnissen der Bevölkerung auf geopolitische Logik umlenkt.

Fazit

Jedes Jahr im Dezember liefert Censis sein Bild von Italien. Eine Momentaufnahme, die zur Anpassung aufruft, nicht zum Wandel; zur Resignation, nicht zum Kampf. Doch hinter der Rhetorik der "besorgten Mittelschicht" verbirgt sich ein verarmtes Land. Hinter dem "barbarischen Zeitalter" verbirgt sich ein Wirtschaftsmodell, das nicht funktioniert. Hinter der "großen Verschuldung" verbirgt sich Sparpolitik. Hinter dem "Wettrüsten" verbirgt sich der Verlust des Sozialstaats. Unsere Aufgabe ist es, dieses Denkmuster aufzubrechen, dem Konflikt wieder Worte zu geben, die Verantwortlichen zu benennen und den Kampf derer zu stärken, die diese Krise am eigenen Leib erfahren. Denn nicht Italien ist barbarisch, sondern der Kapitalismus, der es regiert. Und kein Jahresbericht kann die Geschichte des kollektiven, alltäglichen Widerstands erzählen.

Totò Caggese

https://umanitanova.org/il-rapporto-panettone-censis-a-natale-siamo-tutti-meno-poveri/
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