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(de) Angriff gegen die Pressefreiheit - SAC Journalistin festgenommen

From i-afd_1@anarch.free.de (I-AFD/IFA Bremen - A-Infos.de)
Date 16 May 1998 17:31:00 +0200
Organization I-AFD/IFA Gruppe Verden


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      A - I N F O S  N E W S  S E R V I C E
            http://www.ainfos.ca/
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Das englische Original des folgenden Aufrufes wurde am 13.05. an den A- 
Infos Verteiler verschickt. Uebersetzung: a.c./a-infos kollektiv in  
deutschland (i-afd_1@anarch.free.de)

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SAC Journalistin festgenommen

Hintergrund: Am 1. Mai führte die schwedische Polizei Razzien und
Verhaftungen durch, die sich gegen die hiesige anarchistische Bewegung
richteten. Der folgende Aufruf stammt von der SAC, einer schwedischen
libertaeren/anarcho-syndikalistischen Gewerkschaft mit ueber 13,000
Mitgliedern. Die im Text erwaehnte 'Arbetaren' ("ArbeiterIn") ist die
Wochenzeitung der SAC.

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Von Kieran Casey, Internationaler Sekreater der SAC
international.committee@sac.se

Die SAC ruft ihre FreundInnen auf, Protest- und Unterstützungsbriefe
gegen die Festnahme einer Journalistin am 1. Mai in Malmö zu verschicken.

Hintergrund
Am 1. Mai berichtete Jenny Widov, freie Journalistin (und SAC Mitglied),
fuer die Zeitung Arbetaren ueber Ereignisse des Kampftages. Eines davon
war die von "Autonomen" organisierte Demonstration, die vom Gustavs Adolfs
Platz ausging. Die Manifestation, die von der Gruppe Autonomt Motstånd
gemeinsam mit Antifascistisk Aktion, AFA, und der von der SAC
unabhängigen, Malmöer Ortsgruppe des Syndikalistisk Ungdomsförbundets,
SUF organisiert worden war, hatte nicht die erforderliche polizeiliche
Zulassung erhalten.

Berittene Polizei blockierte die Demonstration nach 200 m. und Jenny
Widov, die sich auf dem Bürgersteig befand, sah, wie Flaschen geworfen
wurden und Knaller/Kracher (laute Feuerwerkskörper) explodierten. Die
Polizei griff die Demonstration daraufhin ohne Warnung von Hinten und von
den Seiten an. PolizistInnen setzten Schlagstöcke, Schilder und Hunde
ein, um die DemonstrantInnen vor sich herzutreiben und in die Richtung zu
drängen, in der Jenny stand. Jenny wurde ebenso wie alle anderen gegen
eine Mauer gestossen und konnte wegen der Polizeischilder ihren
Presseausweis nur mühsam hervorziehen. Auch als sie ihn der Polizei
zeigte, weigerte sich diese, sie freizulassen, obwohl sie sich an der
Demonstration nicht beteiligt hatte und sich als Journalistin zu erkennen
gab.

Jenny Widov wurde ihr Recht als Journalistin gemäß 16 kap BrB (|16 des
Strafgesetzbuches) verweigert.

Da Widov als Journalistin anwesend war, kann sie nicht als Teil der
versammelten Menge betrachtet werden.

Die 137 Festgenommenen wurden auf einen Bus verfrachtet und zur
Polizeistation gebracht. Dort wies sie sich abermals als Journalistin aus
und erklärte ihre Situation - ohne Erfolg. Ihr wurde gesagt, daß sie wegen
des Verdachts auf Anstiftung zu gewaltsamen Unruhen festgenommen worden sei.
Ihre gesamten Arbeitsmaterialien, Mobiltelephon, Füller, Notizbuch und
Presseausweis wurden ihr abgenommen. Sie wurde vor den Augen von
männlichen Polizisten und Demonstranten durch eine Polizeifrau einer
Leibesvisitation unterzogen. Dann wurde sie mit einer Polaroid Kamera
fotographiert. Zusammen mit vielen anderen wurde sie dann sechs Stunden
lang in einem Bus festgehalten.

Während der Grad an Polizeibelästigung und -gewalt auf den 1. Mai-
Veranstaltungen sowohl in Stockholm als auch in Malmö insgesamt sehr hoch war,
möchten wir Euch bitten, Euch auf diesen besonderen Verstoß gegen die
Pressefreiheit zu konzentrieren. Es hat in der Presse Behauptungen
gegeben, der Presseausweis wäre nicht von der Gewerkschaft der
Journalisten ausgestellt worden und seine Legitimität wurde in Frage
gestellt. Andere JournalistInnen und FotographInnen der etablierten Presse
sagten in Kommentaren, Jenny sei "nur eine linke Journalistin" und
sicherlich Teil der Demonstration gewesen. Dieser Mangel an Solidarität
und Perspektive ist beängstigend, da wir überzeugt sind, daß es die
Aufgabe der Medien sein sollte, Machtmißbrauch anzuprangern. Viele SAC-
Mitglieder denken, daß es zu zunehmenden Angriffen gegen die Gewerkschaft
kommt, da sie sich gegen die wahren Machtzentren der Gesellschaft
richtet, nämlich die Ökonomie und die Großkonzerne. Es gibt einen
Prozeß der Marginalisierung, in dem alles, was sich gegen die
parlamentarische, repräsentative Demokratie richtet, als antidemokratisch
abgestempelt wird. Viele JournalistInnen sind auf die Polizei angewiesen,
um Zugang zu Informationen zu erhalten und daher weniger kritisch, wenn
die Polizei Gewalt gegen "Extremisten" und junge Menschen anwendet.

Bitte verschickt Protestbriefe an die Justizbehörde

 Department for Justice
 Leila Freivalds
 103 33
 Stockholm
 +46-8-20 27 34

 Polisstyrelsen
 205 90
 Malmö
 +46-40-12 59 23


Textvorschlag für einen Protestbrief

"Wir wurden ueber die zahlreichen Gewaltanwendungen und
Machtdemonstrationen an verschiedenen schwedischen Orten zum 1. Mai
informiert, darunter eine Razzia auf ein Café in Stockholm.
Wir sind besonders beunruhigt über die Verhaftung von Jenny Widov, einer
Journalistin, die in Malmö für die Wochenzeitung Arbetaren arbeitet. Die
Polizei ignorierte ihre Erklärungen, ihren Presseausweis und die Tatsache,
dass sie ihre Arbeitsmaterialien - eine Mobiltelephon, ein Notizbuch und
einen Füller - bei sich trug.
Der Schutz von JournalistInnen bei ihrer Arbeit wird im Strafgesetzbuch
garantiert (|16 BrB und |13 PL) und muss aufrechterhalten und verteidigt
werden.
Wir sind schockiert, dass es in Schweden zu einem solchen Verhalten der
Polizei gekommen ist, da wir Angriffe auf die Presse vielmehr aus Ländern
mit repressiven und autoritären Regimen kennen.
Vor dem Hintergrund des systematischen Wandels polizeilicher Richtlinien
und Methoden in ganz Europa unter dem Schengener Abkommen ist dies um so
alarmierender.

Wir rufen die für die Polizei verantwortlichen Organe auf höchster Ebene
dazu auf, die Ereignisse um die Festnahme von Jenny Widov rasch zu
untersuchen, das Verfahren gegen sie einzustellen und die Polizei wegen
exzessiver, ungerechtfertiger und illegaler Handlungen zu kritisieren.

Wir betrachten die Ereignisse als einen skandalösen Angriff auf die
Pressefreiheit und verlangen, dass die Vorwürfe gegen Jenny Widov
fallengelassen werden und ihr Eintrag aus den Polizeiakten entfernt wird.

Wir verlangen außerdem eine Erklärung und eine Entschuldigung gegenüber
Jenny Widov und Arbetaren.

Mit freundlichen Gruessen"


[Anm. d. Ue.: Briefe falls möglich bitte auf Englisch oder Schwedisch  
verschicken. Englische Version des Textvorschlages:

"We have been informed of the widespread use of violence and show of power  
in various places in Sweden on May 1st, among these a raid on a café in
Stockholm.
We are especially concerned at the arrest of Jenny Widov a journalist on
assignment in Malmö for the weekly paper Arbetaren. The police ignored her  
explanations, her presscard and the fact that she had her working  
materials, namely a cellphone, pen and notebook.
The protection of journalists in their work is enshrined in penal code
(@16 BrB and  @13 PL) and is vital to uphold and defend.
We are shocked that such police behaviour happened in Sweden, we are more
familiar with attacks on the press in countries with repressive and  
authoritarian regimes.
It is all the more alarming in the light of a systematic change in policing
policies and methods throughout Europe under the Schengen Agreement.

We call on bodies responsible for the police at the very highest level to
quickly look into the events surrounding the arrest of Jenny Widov, to  
clear her name, to castigate the police for excessive, unwarranted or  
illegal actions.

We see this as a scandalalous attack on the freedom of the press and demand
that the charges against Jenny Widov be dropped and her file erased from  
the police archives.

We demand also an explanation and an apology to both Jenny Widov and Arbetaren

Yours sincerely"]


Solidaritätsbriefe bitte an

 Arbetaren
 Box 6507, 113 83 Stockholm, Sweden
 +46-8-673 03 45
 arbetaren@sac se

Über Solidaritätsbekundungen freut sich auch

 Jenny Widov
 C/O Malmö LS, Box 175 75, 200 10 Malmö, Sweden
 fax.+46-40-30 61 76
 malmo.ls@sac.se


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SAC-Syndikalisterna
Central Organisation of Sweden's Workers
Box 6507, 113 83 Stockholm, Sweden
tel:+46-8-673 52 72 fax:+46-8-673 30 85
E-mail: international.committee@sac.se

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