A - I n f o s

a multi-lingual news service by, for, and about anarchists **
News in all languages
Last 40 posts (Homepage) Last two weeks' posts Our archives of old posts

The last 100 posts, according to language
Greek_ 中文 Chinese_ Castellano_ Catalan_ Deutsch_ Nederlands_ English_ Français_ Italiano_ Polski_ Português_ Russkyi_ Suomi_ Svenska_ Türkçe_ _The.Supplement

The First Few Lines of The Last 10 posts in:
Castellano_ Deutsch_ Nederlands_ English_ Français_ Italiano_ Polski_ Português_ Russkyi_ Suomi_ Svenska_ Türkçe_
First few lines of all posts of last 24 hours | of past 30 days | of 2002 | of 2003 | of 2004 | of 2005 | of 2006 | of 2007 | of 2008 | of 2009 | of 2010 | of 2011 | of 2012 | of 2013 | of 2014 | of 2015 | of 2016 | of 2017 | of 2018 | of 2019 | of 2020 | of 2021 | of 2022 | of 2023 | of 2024 | of 2025 | of 2026

Syndication Of A-Infos - including RDF - How to Syndicate A-Infos
Subscribe to the a-infos newsgroups

(de) Italy, FAI, Umanita Nova #22-26 - Angriff auf die Anonymität. Das Internet: Pädagogische Vorwände zur Kommunikationskontrolle (ca, en, it, pt, tr)[maschinelle Übersetzung]

Date Sun, 16 Aug 2026 08:01:49 +0300


John Perry Barlow (1947-2018), Essayist und Dichter, Autor vieler Texte der legendären "Grateful Dead", war einer der ersten "Cyberaktivisten" und Verfasser der "Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace" (Davos, 8. Februar 1996). Wer sie heute zum ersten Mal liest, dürfte überrascht sein. Zum einen, weil sie ein völlig anderes Internet beschreibt als das, das wir kennen, und zum anderen, weil - politische Naivität beiseite - der Verfasser dieses Dokuments das Potenzial computervermittelter Kommunikation und ihre unaufhaltsame Verbreitung bereits erkannt hatte. Die "Erklärung" rief Staaten und Regierungen dazu auf, nicht in den "Cyberspace" einzugreifen, der als virtuelle Welt definiert wurde, in der eine Art soziale Utopie ohne Grenzen und Diskriminierung entstand - eine neue Gesellschaft, die auf gemeinsamen statt auferlegten Regeln beruhte.

Damals beschränkten sich Nutzerbeschränkungen und -kontrollen fast ausschließlich auf den Schutz militärischer Ressourcen. Eines der gängigsten Kommunikationsprotokolle für Dateiübertragungen hieß "anonymes FTP", weil der Server keine Daten von den Nutzern anforderte, die eine Datei hoch- oder herunterladen wollten.

Selbst im Kontext der kollektiven zwischenmenschlichen Kommunikation, die bereits existierte, auch wenn sie nicht als "soziale Medien" bezeichnet wurde, fiel es niemandem auf, wenn man einen Spitznamen anstelle von Vor- und Nachnamen verwendete.

Eine Passage in der "Erklärung" scheint besonders treffend zu sein: "Ihr habt Angst vor euren Kindern, denn sie sind die Kinder einer Welt, in die ihr immer nur Einwanderer sein werdet. Weil ihr sie fürchtet, überlasst ihr eurer Bürokratie die elterliche Verantwortung, der ihr euch feige nicht stellen wollt."

Nach dreißig Jahren hat die heuchlerische Besessenheit, Minderjährige vor den Gefahren des Internets zu schützen, exponentiell zugenommen und betrifft alle Ebenen und Länder der Welt. Sie droht, die Anonymität zu zerstören, eines der Grundprinzipien der Kommunikationsfreiheit im Internet.

Wie so oft bei solchen Themen nehmen die Vereinigten Staaten eine Vorreiterrolle ein und dienen anderen Ländern als Vorbild. Bislang haben jedoch nur zwei Bundesstaaten Gesetze verabschiedet, die Minderjährige vor dem Zugriff auf Programme und Inhalte schützen, die als ungeeignet für ihr Alter gelten.

Ab 2027 müssen in Kalifornien verkaufte Computer bei der Erstellung des ersten Benutzerkontos neben Name und Passwort auch das Geburtsdatum verlangen. Dadurch können auf dem Computer installierte Anwendungen die Nutzung bestimmter Programme verhindern oder einschränken. Ein ähnliches Gesetz tritt 2028 in Colorado in Kraft. Unternehmen, die Betriebssysteme entwickeln, sind für die Entwicklung dieses Systems verantwortlich. Ähnliche Gesetze wurden in anderen Bundesstaaten eingebracht, und auf Bundesebene wird seit einiger Zeit ein Gesetz diskutiert, das, falls es verabschiedet wird, in den gesamten Vereinigten Staaten gelten würde.

Was manche Lokalpolitiker bei der Lektüre dieser Nachricht schockieren dürfte, ist die Funktionsweise des Systems: In Kalifornien wird zwar das Alter abgefragt, die angegebenen Informationen werden jedoch nicht überprüft. In der Praxis wurde ein Mindestmaß an Angemessenheit angewendet (es ist unwahrscheinlich, dass sich ein Zwölfjähriger einen Computer leisten kann), was bedeutet, dass die Eltern entscheiden, welches Geburtsdatum auf den Computern ihrer Kinder eingetragen wird. Andere Vorschläge sehen hingegen vor, einen Altersnachweis auf dem Computer zu speichern. Dieser reicht vom Führerschein über die Kreditkarte bis hin zu einem Foto des Kindes.

Wie selbst für Laien deutlich wird, unterscheiden sich die beiden Lösungen deutlich. Die erste basiert auf Angemessenheit und der Verantwortung der Erziehungsberechtigten; die zweite führt lediglich zu einer Reihe von Nebenwirkungen.

Im Februar letzten Jahres blockierte eine bekannte Website mit pornografischen Inhalten die meisten Verbindungen aus Großbritannien, da ihr die Mittel zur Altersverifizierung fehlten. Auf den Britischen Inseln betraf das kürzlich verabschiedete "Online Safety Act" - wie in solchen Fällen üblich - auch Seiten, die keinerlei als obszön eingestufte Inhalte enthielten. Zum Glück für die Nutzer bestimmter Seiten implementierte ein großer Smartphone-Hersteller im März eine obligatorische Altersprüfung direkt in sein Betriebssystem. Besitzer dieser Geräte können nun problemlos auf die gesperrte Seite zugreifen. Dieses System wurde nicht nur in Großbritannien, sondern (vorerst) auch in Südkorea und Singapur aktiviert.

Die britische Regierung ist überzeugt, dass die Sperrung der beliebtesten Social-Media-Plattformen für Minderjährige unter 16 Jahren dazu beiträgt, "eine neue Normalität für zukünftige Generationen zu schaffen, einen kulturellen Wandel anzustoßen und den Kampf der Regierung für einen bestmöglichen Start ins Leben für jedes Kind zu unterstützen".

Darüber hinaus wurde die Möglichkeit diskutiert, den Zugang zu Seiten mit Live-Videos und Apps für Videoanrufe mit Fremden zu sperren. Schließlich wird sogar über die Einführung einer Art "Ausgangssperre" diskutiert, während der Minderjährige unter 18 Jahren bestimmte Programme nicht nutzen dürfen.

Die Gegner einer solchen Regelung führen zwei Hauptkritikpunkte an: Erstens funktioniere das Verbot (sofern es überhaupt funktioniere) nur, indem es jeden zur Identifizierung zwinge und damit den Weg für eine endgültige Massenkontrolle des Internets ebne. Zweitens warne vor der realen Gefahr, die von der Verbreitung digitaler Aufzeichnungen unserer persönlichen Daten ausgehe, wodurch jeder Datenleck immer gefährlicher werde. Mitte Juni behauptete eine bekannte Gruppe von "digitalen Erpressern", einen vom Europäischen Rat verwalteten Computer gehackt zu haben und bot die 429.000 kopierten Dateien zum Verkauf an. Bislang haben die Verantwortlichen für dieses Archiv auf Anfragen zu diesem Angriff mit dem üblichen "Kein Kommentar" reagiert.

Zu den beiden genannten Kritikpunkten sollte mindestens ein dritter hinzugefügt werden: Ein Gesetz, das die Nutzung einer Social-Media-Plattform verbietet, eine andere jedoch nicht, bedeutet konkret, dass es ein Unternehmen gegenüber einem anderen bevorzugt. Hier geht es um Millionenbeträge.

Eine der Hauptursachen für die Verwirrung derjenigen, die glauben, die Probleme in diesem Bereich ließen sich leicht lösen, ist die Vielzahl an Regelungen, die den Zugang zu bestimmten Internetressourcen einschränken. Um nur einige Beispiele innerhalb der Europäischen Union zu nennen: In Österreich, Italien und Spanien ist die Erstellung eines Social-Media-Kontos für Minderjährige unter 14 Jahren verboten; in Frankreich und Griechenland für Minderjährige unter 15 Jahren; und in Deutschland, Ungarn und Luxemburg für Minderjährige unter 16 Jahren. International variieren die Verbote von Land zu Land, wobei das Mindestalter zwischen 13 und 18 Jahren liegt. In Australien, wo der Zugang zu sozialen Medien ab Dezember 2025 auf Personen über 16 Jahren beschränkt sein wird, hat eine kürzlich von der Regierung in Auftrag gegebene Studie ergeben, dass etwa 85 % der Minderjährigen die Regel auf irgendeine Weise umgangen haben.

Die Debatte über die Entwicklung einer App zur Altersverifizierung hat sich in den letzten zwei Jahren intensiviert. Eine Testversion dieses Programms existiert bereits und wird von den EU-Behörden vollumfänglich unterstützt. Trotz zahlreicher offizieller Ankündigungen bleibt der endgültige Veröffentlichungstermin ungewiss. Es ist jedoch anzumerken, dass er sich teilweise mit der "digitalen Dokumentenmappe" überschneidet, die alle Europäer bis Ende 2026 - sofern keine Verlängerung erfolgt - besitzen sollen. Das Geflecht an Vorschriften im digitalen Bereich, sowohl auf nationaler als auch auf EU-Ebene, ist mittlerweile grenzenlos und dürfte selbst KI-resistent sein.

In Italien stecken mehrere Gesetzesentwürfe, ähnlich dem englischen, im Parlament fest. Offensichtlich zielen sie darauf ab, Minderjährige noch strenger zu schützen als bisher. Diese Vorschläge stammen aus allen politischen Parteien, wobei die "Linke" - und hier sind Anführungszeichen angebracht - eine gewisse Dominanz aufweist.

Hinter dem vielgepriesenen Fokus auf den Schutz von Minderjährigen verbirgt sich, bisher ohne großen Erfolg, ein anderes, weitaus ehrgeizigeres Ziel: die Kontrolle von Menschen und den von ihnen in der Online-Kommunikation geäußerten Ideen. Dies lässt sich nur auf eine Weise erreichen: durch die Identifizierung von Individuen oder, anders ausgedrückt, durch das Verbot der Anonymität im Internet.

Zu den jüngsten Initiativen in diese Richtung gehört die Ankündigung eines weiteren sozialen Netzwerks, das sich derzeit noch in der Testphase befindet und dessen Mitgliedschaft nur auf Einladung möglich ist. Hier die Kurzbeschreibung: "Wir entwickeln W - eine Social-Media-Plattform, die in Europa für die Welt entwickelt wurde. Sie unterliegt europäischem Recht, die Daten werden auf europäischer Infrastruktur gehostet und sie ist für den direkten Austausch zwischen Menschen weltweit konzipiert."

Das Hauptmerkmal dieses sozialen Netzwerks ist die Identifizierung zur Teilnahme an Diskussionen, die über eine spezielle mobile App erfolgt. Selbstverständlich unterscheidet sich dies von dem oben erwähnten Netzwerk. Es ist außerdem anzumerken, dass die Initiative von einem schwedischen Unternehmen stammt und somit in den Bereich kommerzieller Aktivitäten fällt, die bekanntermaßen gewinnorientiert sind und wenig mit Kommunikationsfreiheit zu tun haben.

Denn letztendlich steht immer der Profit im Vordergrund, der keine Skrupel hat, Minderjährige mit Werbung in sozialen Medien gezielt anzusprechen und ständig neue Wege zu finden, ihre Aufmerksamkeit zu erregen. Noch weniger Skrupel hat er, Gesetze zu unterstützen, die die Kommunikationsfreiheit unabhängig vom Alter einschränken.

Pepsy

https://umanitanova.org/attacco-allanonimato-internet-pretesti-educativi-per-controllare-la-comunicazione/
_________________________________________
A - I n f o s Informationsdienst
Von, Fr, und Ber Anarchisten
Send news reports to A-infos-de mailing list
A-infos-de@ainfos.ca
Subscribe/Unsubscribe https://ainfos.ca/mailman/listinfo/a-infos-de
Archive: http://www.ainfos.ca/de
A-Infos Information Center