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{Info on A-Infos}
(de) Prozeß ROS/Marini gegen die AnarchistInnen
From
Freddy Krueger <freddy@mail.nadir.org>
Date
Thu, 05 Feb 1998 13:29:46 +0100
Organization
Arbeitsscheue BombenlegerInnen
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A - I N F O S N E W S S E R V I C E
http://www.ainfos.ca/
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Neuigkeiten vom Prozeß ROS/Marini gegen die AnarchistInnen
Der von dem Staatsanwalt Marini und den Sondereinheiten der
Carabinieri (ROS) konstruierte Prozeß gegen ca. 70 AnarchistInnen
findet jetzt jeden Montag statt.
Das gesamte Verfahren beruht darauf, daß die ROS den Teil der
anarchistischen Bewegung zerschlagen wollen, der sich in den letzten
Jahren jeder Identifikation und Verurteilung entziehen konnte. Um
dies zu bewerkstelligen, wurde ad hoc eine "Pentita" (Reuhige
Kronzeugin - A.d.Ü.) von den Militäroffizieren ( Die Carabinieri
gehören zum italienischen Militär - A.d.Ü.) gepflegt und
aufgepäppelt. Die Planung dieses ganzen Konstruktes ist in einem nur
zum internen Gebrauch bestimmten Dokument der ROS ausführlich
beschrieben, das letzten Sommer einigen Zeitungen und Radiosendern
zugeschickt wurde, und zwar während einer größeren Krise innerhalb
der Carabinieri-Strukturen: Es wurde sogar eine Kokain-Raffinerie in
der Kaserne der ROS in Ligurien gefunden. Dann wurde alles mit dem
Mäntelchen des Schweigens umhüllt und die Ermittlungen bezüglich der
Authentizität des Dokumentes über die "Anarchistische Subversion"
wurde den selben ROS übertragen, die es geschrieben hatten. Diese
haben dann bei einigen GenossInnen von Radio Black Out in Turin
Hausdurchsuchungen gemacht und diese anschließend angeklagt, weil sie
-- dem Gesetz nach -- bevor sie das ihnen zugesandte Dokument
verbreitet haben, es den Justizbehörden vorgelegt hatten.
Somit stellen wir fest, daß die Durchführung dieser Ermittlung nicht
nur Grotesk ist -- sie bedeutet auch noch Freiheitsberaubung,
unglaublich hohe Gerichtskosten und einen ebenso unglaublichen Streß,
auch weil in diesem speziellen Verfahren jedeR, der/die versucht die
Mauer des Schweigens zu durchbrechen, die schwere Repression der
ErmittlerInnen erleidet.
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Viele Materialien zur Untersuchung "Marini" gegen die AnarchistInnen
gibt es auf folgenden Webseiten:
Die Solidaritätsseite der Tactical Media Crew (Italienisch):
http://vivaldi.nexus.it/commerce/tmcrew/movime/@@@/@nhome.htm
Die Webseite des CDA -- Verteidigungskomitees der AnarchistInnen
(Italienisch und Englisch):
http://www.ecn.org/zero/cda/
Die deutschsprachige Solidaritätsseite:
http://www.tao.ca/~lgh/italien/
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Die Chronik der letzten Verhandlungen:
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Montag, 26.1.1998
Ein Polizist wurde als Zeuge vorgeladen um zum Banküberfall in
Trento auszusagen, im Zuge dessen einige AnarchistInnen verhaftet
wurden.
Dann hat Marini erneut an das Gericht appelliert, die inhaftierten
Angeklagten nicht frei zulassen, und lamentierte über ihre angebliche
Gefährlichkeit.
Unter anderen war zwischen den Inhaftierten Alfredo Cospito anwesend,
der wegen einer anderen Sache verhaftet worden war zu der vor einigen
Monaten ein Urteil gefällt wurde. Er müßte jetzt in Rebibbia
inhaftiert sein und so den Prozeß in Rom verfolgen können.
---
Montag, 2.2.1998
Als erstes wurde die Position von Angla Maria Lo Vecchio, die vor
einigen Tagen in Amsterdam verhaftet wurde, aus dem Verfahren
genommen (was noch bestätigt werden muß); folglich wird der Prozeß
gegen sie wohl nebenbei laufen.
In dieser Verhandlung wurde mit der Vernehmung der Zeugen der Anklage
fortgefahren. Einige Polizeioffiziere haben sich über die angeblichen
Beziehungen zwischen AnarchistInnen und der sardischen Unterwelt
ausgelassen, und zwar vor allem in Bezug auf die Angeklagten Garagin,
Scrocco, Porcu und Campo.
Die Polizisten der Kriminalpolizei aus den Provinzen Lazio und
Campania haben allerdings keinerlei objektive Beweise zu den Aussagen
der verschiedenen mit-angeklagten "Reuhigen" erbracht.
Was den Campo betrifft, so hat dieser den Darlegungen des
Polizeioffiziers widersprochen, der -- als er von einem Restaurant in
Bologna sprach -- dieses als ein konspiratives Versteck dargestellt
hatte. Die Polizeioffiziere haben sich in ihren Aussagen ebenfalls
auf Abhörungsmaterial bezogen, das sie aber nicht dem Gericht
zugänglich gemacht haben, weshalb ihre Aussagen in diesen Fällen zur
Zeit nicht berücksichtigt wird. Es bleibt noch zu sagen daß der Campo
sich nicht mehr regelmäßig bei den Bullen melden muß und er jetzt
frei ist. Es wurde auch über den Banküberfall in Pescara gesprochen,
ein weiterer Punkt in dem einige AnarchistInnen angeklagt sind.
---
Am nächsten Verhandlungstag werden weitere ZeugInnen der Anklage
verhört werden. Montag, den 9.2. steht die Aussage der "Reuhigen"
Angeklagten und Hauptbelastungszeugin *Mojdeh Namsetchi* auf dem Plan,
danach die Aussagen der Familie Sforza.
Also wird es jetzt wohl richtig los gehen.
Eine andere, *erfreuliche* Neuigkeit ist, daß die Chambre
d'accusation entschieden hat, am 5.2.1998 Massimo Passamani (der
wegen einem Auslieferungsantrag in Paris im Knast saß) aus der Haft
zu entlassen. Wahrscheinlich ist seine Freilassung in Zusammenhang
mit den Freilassungen in den letzten Wochen durch den obersten Corte
D'Assise in Rom (Besonderer Gerichtshof, der Gerichtsfälle mit
Mordanklage(n) bearbeitet - A.d.Ü.) zu sehen, also ein verändertes
Klima das sich um den Prozeß gelegt hat und in der Entscheidung der
französischen Richter Gewicht gehabt haben muß.
---
Prozeß ROS/Marini gegen die AnarchistInnen - Angela Maria Lo Vecchio
verhaftet
Vor einigen Tagen wurde in Amsterdam eine weitere Angeklagte verhaftet.
Das stand dazu im Bildschirmtext des italienischen staatlichen
Fernsehsenders "RAI":
Angela Maria Lo Vecchio, die der revolutionären Organisation
"Aufständische Anarchisten" zugerechnet wird, wurde von der Digos
(Politische Polizei - A.d.Ü.) und der mobilen Einsatztruppe aus Rom,
in Zusammenarbeit mit der Holländischen Polizei, in Amsterdam
verhaftet. Die aus Apulien stammende 35-jährige Frau mit dem
Kampfnamen "Marina" wurde von den Justizbehörden diverser
italienischer Städte gesucht. Sie wird der Subversiven Vereinigung
beschuldigt, der Beteiligung an einer bewaffneten Bande, Mord un
bewaffneter Raubüberfall. An der Verhaftung haben auch die Ucigos und
Interpol mitgewirkt.
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Wir hatten einen Zeitungsartikel von Massimo Lugli der Tageszeitung
"La Repubblica" zur Verfügung, der nur deshalb anzumerken ist, weil
einem beim Lesen desselben alle Anklagepunkte gegen Angela Maria Lo
Vecchio als sichere und erwiesene Fakten vorkommen... Und der Prozeß
gegen sie hat noch garnicht angefangen. Also, zuviel Enthusiasmus in
der Publikation der Bullen-Pressemitteilungen.
---
Angela ist im Frauenknast in Zwolle inhaftiert und kann dort
kontaktiert werden:
Angela Maria Lo Vecchio
Penitentiaire Inrichtingen Zwolle
Terborchstraat 4
8011 GG Zwolle Holland
Sie wohnte mit ihrem Sohn (um den sich jetzt holländische FreundInnen
kümmern) im Amsterdamer Viertel Jordaan und hatte natürlich keinerlei
Waffen, als sie verhaftet wurde.
Jetzt haben die italienischen Behörden ab der Verhaftung 20 Tage Zeit,
innerhalb derer der Auslieferungsantrag formalisiert werden muß; dann
hat der zuständige Richter 2 Monate Zeit, darüber zu entscheiden und
anschließend wird Angela in Berufung gehen können.
Unter dieser Adresse können Neuigkeiten abgerufen werden:
Buro Jansen & Janssen
Email: respub@xs4all.nl
http://www.xs4all.nl/~respub
Postbus 10591 1001 EN Amsterdam
Tel.: 00 31 20 6123202
Fax: 00 31 20 6168967 (Bitte mit Vermerk "Für Jansen & Janssen")
---
Übersetzung: Solidaritätskomitee Italien
--
rechtschreibfehler und grammatikalisch wirre konstruktionen sind
beabsichtigt und dienen der Belustigung.
Neuste Infos zum Stand der Repression gegen AnarchistInnen in
Italien: http://www.tao.ca/~lgh/italien/index.html
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